Pflege braucht auch im Digitalzeitalter Menschlichkeit

Nach Auffassung des dbb Bundesvorsitzenden Ulrich Silberbach kann zum Beispiel die Elektronische Pflegedokumentation einen großen Beitrag zur Entlastung des Pflegepersonals leisten, wenn der Datenschutz ernst genommen wird. „Das bestätigen uns auch die Rückmeldungen unserer Mitglieder. Allerdings muss die Zeiteinsparung durch elektronische Dokumentation auch den Pflegebedürftigen zu Gute kommen“, so Silberbach. Keinesfalls dürfe die Digitalisierung zu einer weiteren Aufgabenverdichtung führen. Kritisch betrachtet der dbb Chef dagegen die vom BMG ins Spiel gebrachte digitale Tourenplanung für ambulante Pflegekräfte. Befürchtungen der Beschäftigten, künftig einer Art Monitoring zu unterliegen, also auf Schritt und Tritt geortet und kontrolliert zu werden, nimmt Silberbach sehr ernst: „Das kann psychische Belastungen fördern und dem Arbeitsklima abträglich sein. Andererseits erhöht die digitale Tourenplanung aber auch den Komfort für zu Pflegende, wenn der Besuch der Pflegekraft zeitnah avisiert oder mögliche Verspätungen im Vorfeld mitgeteilt werden können.“

 

Anwendungen der Telemedizin in strukturschwachen Regionen könnten in der Praxis nur Teilbereiche des Bedarfs in der Pflege abdecken und eigneten sich eher für die Unterstützung der haus- oder fachärztliche Versorgung. Silberbach: „Eine digitale Sprechstunde ist für technikaffine Patienten durchaus eine Bereicherung. Der klassische Pflegebedürftige ist jedoch häufig nicht online. Hier darf man es sich nicht zu einfach machen, sondern muss gute Pflege mit gutem Personal auch auf dem Land gewährleisten. Letztlich darf Pflege nicht nur Versorgung bedeuten. Sie basiert auch im Digitalzeitalter in erster Linie auf Menschlichkeit.“

Source: DBB

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