Pflegekräfte: dbb fordert massive Attraktivitätsoffensive

„So sinnvoll viele der Neuregelungen, etwa aus dem Sofortprogramm Kranken- und Altenpflege sind, stellt sich nach wie vor die Frage, woher die hierfür benötigten Fachkräfte kommen sollen“, so Silberbach. „Natürlich sind etwa die 13.000 zusätzlichen und voll finanzierten Stellen in der Altenpflege ein richtiger Schritt. Auch in den Krankenhäusern wird künftig jede zusätzliche Pflegestelle finanziert. Doch Stellen sind keine Menschen – woher nehmen wenn nicht stehlen? Diese Frage muss erlaubt sein, und wir haben sie bereits mehrfach gestellt“, sagte der dbb Bundesvorsitzende am Rande der gemeinsamen Pressekonferenz von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der Arbeitsmarkt in den Gesundheitsberufen sei extrem angespannt. Arbeitskräfteanwerbung innerhalb der Europäischen Union und aus Drittstaaten könne nur ein Teil der Lösung sein. „Wir müssen daher an die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen heran und hier deutliche Verbesserungen erreichen. Hierzu gehöre insbesondere eine angemessene Bezahlung der Gesundheitsberufe. „Mit den Tarifverträgen für den öffentlichen Dienst liegen hier schon sehr gute Benchmarks vor, an denen man sich orientieren könnte“, regte der dbb Chef an. „Durch Attraktivitätssteigerungen müssen wir eine Sogwirkung erreichen, die eine Ausbildung zur Gesundheitsfachkraft stärker in der Fokus des Nachwuchses an den Schulen rückt. Personallücken mit Zeitarbeitskräften zu schließen, ist der komplett falsche Ansatz“, betonte Silberbach. Aus diesem Grund begrüße der dbb die als Ergebnis der KAP vorgesehene Beschränkung der Zeitarbeit in der Altenpflege, denn dann bestehe auch nicht mehr die Gefahr, dass Mitarbeiter etwa aufgrund besserer Bezahlung in die Zeitarbeit abgeworben würden.

 

Auch Digitalisierung könne einen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen leisten, so Silberbach, zu Erleichterungen bei den Dokumentationspflichten führen oder etwa die Routenplanung von ambulanten Pflegekräften effizienter machen. „Sie ist jedoch kein Allheilmittel.“ Das wurde etwa auch beim Workshop Digitalisierung der Konzertierten Aktion Pflege deutlich, an dem auch eine Delegation des dbb teilgenommen hat. Der dbb arbeitet derzeit im Rahmen einer Bund-Länder Arbeitsgruppe an einem „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe“ mit. Neben Themen wie Ausbildungsvergütung, Anerkennung von beruflichen Abschlüssen und der Frage der Akademisierung werden auch das Thema Schulgeldfreiheit und damit einhergehende Finanzierungsfragen zu erörtern sein. Bis Ende 2019 sind Eckpunkte als Basis für notwendige gesetzliche Änderungen geplant. „Hier haben wir konkret die Möglichkeit, Verbesserungen herbeizuführen, die bereits bei der Berufsausbildung ansetzen“, so der dbb Chef.

Source: DBB

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