{"id":26715,"date":"2025-11-05T12:29:43","date_gmt":"2025-11-05T12:29:43","guid":{"rendered":"https:\/\/derbeamte.de\/?p=26715"},"modified":"2025-11-05T12:29:43","modified_gmt":"2025-11-05T12:29:43","slug":"die-schuld-der-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/derbeamte.de\/?p=26715","title":{"rendered":"Die Schuld der anderen"},"content":{"rendered":"<p>In ganz Deutschland wurden J\u00fcdinnen und Juden verfolgt, misshandelt und get\u00f6tet, mindestens 127 von ihnen kamen auf dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens durch Misshandlungen zu Tode. Selbst nach weiteren sechs Millionen von den Nazis und ihren Schergen in Europa ermordeten J\u00fcdinnen und Juden und insbesondere nach dem Untergang der menschenverachtenden Nazi-Diktatur am 8. Mai 1945 wollten viele Deutsche von all dem nichts gewusst haben, schon gar nicht dabei gewesen sein oder mitgemacht haben, weit verbreitet war die Ansicht, \u201edie Schuld tragen andere\u201c.<\/p>\n<p>Doch dem jahrzehntelang als \u201eReichskristallnacht\u201c verniedlichten Terror gingen Jahre der Ausgrenzung und Verfolgung voraus. Die erste Welle staatlicher Willk\u00fcr gegen Juden setzte bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Fr\u00fchjahr 1933 ein, mit Boykottaktionen gegen j\u00fcdische Gesch\u00e4fte, Warenh\u00e4user, Anwaltskanzleien und Arztpraxen. Diese Aktion verdeutlichte, dass die rund 525.000 Juden in Deutschland von den Nazis nicht als Teil des deutschen Volks betrachtet wurden. Mit dem &#8222;Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums&#8220; vom 7. April 1933, durch das Beamte &#8222;nicht arischer Abstammung&#8220; in den Ruhestand versetzt wurden, fand die rassistische Ideologie der Nationalsozialisten erstmals Eingang in ein Reichsgesetz. Schnell wurde der &#8222;Arierparagraph&#8220; auch auf andere Berufsgruppen \u00fcbertragen und erm\u00f6glichte den &#8222;legalen&#8220; Ausschluss aller Juden aus dem \u00d6ffentlichen Dienst, den Freien Berufen sowie aus Universit\u00e4ten, Schulen und der Kultur. Einen noch radikaleren Einschnitt in das Leben der Juden in Deutschland brachten die sogenannten N\u00fcrnberger Gesetze von 1935, welche Juden zu Menschen minderen Rechts stempelten. Insgesamt wurden im &#8222;Dritten Reich&#8220; etwa 2.000 antij\u00fcdische Gesetze oder Erg\u00e4nzungsverordnungen erlassen.<\/p>\n<p>Mit der willk\u00fcrlichen Abschiebung von 17.000 als &#8222;polnischst\u00e4mmig&#8220; bezeichneten Juden nach Polen erreichte die antij\u00fcdische Politik im Oktober 1938 nochmals eine Versch\u00e4rfung. Von den Deutschen aus dem Land getrieben und von den Polen nicht ins Land gelassen, irrten die Abgeschobenen im deutsch-polnischen Grenzgebiet umher, bevor sie auf polnischer Seite primitivste Unterk\u00fcnfte fanden. Der 17-j\u00e4hrige Jude Herschel Grynszpan, dessen Familie unter den Abgeschobenen war, ver\u00fcbte am 7. November 1938 in Paris einen Mordanschlag auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath. Dessen Tod zwei Tage sp\u00e4ter Goebbels den Vorwand f\u00fcr den von seiner Propaganda als &#8222;spontanen S\u00fchneakt&#8220; inszenierten Staatsterror lieferte. Mit der \u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c sollten schlie\u00dflich ab 1941 alle von den Nazis als Juden definierten Menschen in Europa und dar\u00fcber hinaus systematisch ermordet werden, die physische Ausl\u00f6schung erfolgte im industriellen Ma\u00dfstab durch Gaskammern und Massenerschie\u00dfungen.<\/p>\n<p>Im Umfeld des Gedenktages an das reichsweite Pogrom zeichnet bis 18. November\u00a0<strong>im NRW-Landtag die Ausstellung \u201eKristallnacht\u201d<\/strong>, ein gemeinsames Projekt der Stiftungen \u201cDenkmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas\u201d und \u201cTopographie des Terrors\u201d aus Berlin, die damaligen Verbrechen gegen die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung nach. Historische Fotoserien werfen Schlaglichter auf verschiedene Tatorte. Sechs kaum bekannte Fotoserien aus dem Reichsgebiet verdeutlichen, in welchem Ausma\u00df die Gewalt von einheimischen T\u00e4tern ausging. Zugleich wird erstmals die wechselvolle Erinnerung in Deutschland an den 9. November 1938 bis in die Gegenwart dargestellt. Der Pr\u00e4sident des Landtags, Andr\u00e9 Kuper betonte w\u00e4hrend seiner Er\u00f6ffnungsrede: \u201eDie Reichspogromnacht war ein schreckliches Signal des Hasses, getragen von Menschen, die wegsahen, mitliefen oder selbst zu T\u00e4tern wurden. Diese Ausstellung zeigt uns eindringlich, dass Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sind. Jede einzelne Fotografie, jeder Schauplatz ist ein St\u00fcck Erinnerung daran, dass wir wachsam sein m\u00fcssen gegen Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Wir tragen die Verantwortung daf\u00fcr, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit ger\u00e4t und unsere Demokratie wehrhaft gegen den Extremismus ist.\u201c<\/p>\n<p>Wenige Tage zuvor besuchte Landtagspr\u00e4sident Andr\u00e9 Kuper w\u00e4hrend seiner Israelreise das Gel\u00e4nde des Nova Music Festivals und das Dorf Sderot in der N\u00e4he des Gaza-Streifens. Hier hatten Terroristen der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 mehr als 400 meist junge Juden ermordet oder verschleppt. Es war die erste Reise einer Delegation aus Nordrhein-Westfalen mit Vertreterinnen und Vertretern aller drei Staatsgewalten sowie der Religionsgemeinschaften nach Israel. Gemeinsam legten sie Blumen nieder und gedachten der Opfer des Massakers. Einwohner von Sderot berichteten vom Angriff der Hamas und dem jahrelangen pal\u00e4stinensischen Raketenterror auf Schulen und Stadt. In pal\u00e4stinensischen Gebieten sprach Andr\u00e9 Kuper \u00fcber die aktuelle Lage nach dem Waffenstillstand. Suleiman Khourieh, B\u00fcrgermeister von Taybeh, berichtete der Delegation aus NRW von \u00dcbergriffen radikaler j\u00fcdischer Siedler.<\/p>\n<p>Andr\u00e9 Kuper: \u201eIn Deutschland beobachten und analysieren wir den Konflikt aus der Entfernung. Aber hier, wenn man mit den Menschen spricht, bekommt der Schrecken ein Gesicht. Die Schilderungen von den barbarischen Taten der Hamas-Terroristen in den Kibbuzim und beim Nova Music Festival und von der st\u00e4ndigen Angst vor Raketen sind uns allen in der Delegation zu Herzen gegangen. Wir sind auch betroffen von den Berichten der Menschen, die in den pal\u00e4stinensischen Gebieten unter \u00dcbergriffen leiden und Angst um den Bestand ihrer D\u00f6rfer haben. Es f\u00e4llt uns schwer, die Widerspr\u00fcche auszuhalten. Wir w\u00fcnschen uns Frieden in der Region, sehen aber die Trauer und die Wut. Fast jeder unserer Gespr\u00e4chspartner berichtete von Toten oder Verletzten aus der eigenen Familie. Der Weg zum Frieden ist lang.\u201c<\/p>\n<p>\u200bDBB NRW &#8211; Beamtenbund und Tarifunion Nordrhein-Westfalen\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dbb-nrw.de\/aktuelles\/news\/die-schuld-der-anderen\/\" target=\"_blank\" class=\"feedzy-rss-link-icon\">Read More<\/a>\u00a0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ganz Deutschland wurden J\u00fcdinnen und Juden verfolgt, misshandelt und get\u00f6tet, mindestens 127 von ihnen kamen auf dem Gebiet des<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":26714,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-26715","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-dbb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26715"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26715\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/26714"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/derbeamte.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}